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Von den Anfängen bis zum Mars – ein Blick in die Zukunft der Raumfahrt

Der Richard-Hohly-Saal der Joseph-Christian-Gemeinschaftsschule war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Ulrich Köhler, Planetengeologe vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin, seinen Vortrag eröffnete. Gleich zu Beginn machte er den jungen Zuhörerinnen und Zuhörern Mut: „Ihr werdet es vermutlich noch erleben, dass der erste Mensch den Mars betritt.“

Bevor der Blick jedoch zum roten Planeten wanderte, führte Köhler zunächst in die Grundlagen der Raumfahrt ein. Dabei erklärte er anschaulich den Unterschied zwischen Raketen und Raumschiffen: Während Raketen als Trägersysteme dienen, um Nutzlasten ins All zu bringen, sind Raumschiffe für den Transport von Menschen ausgelegt.

Ein zentrales Beispiel moderner Raumfahrttechnik ist das SLS (Space Launch System), eine der leistungsstärksten Raketen der Gegenwart. In diesem Zusammenhang erinnerte Köhler auch an die Apollo-Missionen – darunter Apollo 17, die bislang letzte bemannte Mondmission. Historisch verwies er zudem auf den deutschen Raketenpionier Wernher von Braun sowie auf die legendäre Saturn V, deren gewaltige Schubkraft er anschaulich mit „320.000 Porsche“ verglich. Auch das Space Shuttle sowie die Internationale Raumstation ISS wurden als wichtige Meilensteine der Raumfahrt thematisiert. Einen Blick in die Anfänge warf der Referent mit Robert Goddard, der vor genau 100 Jahren eine der ersten funktionsfähigen Raketen entwickelte.

Besonders anschaulich erklärte Köhler das Prinzip des Orbits: „Astronauten sagen: Wir fallen um die Erde.“ Ein Raumschiff müsse eine bestimmte Geschwindigkeit erreichen, um auf seiner Umlaufbahn zu bleiben.

Auch der Mond rückte in den Fokus: Er besitzt nur etwa ein Achtzigstel der Erdmasse, umkreist die Erde auf einer elliptischen Bahn und hat „keine Atmosphäre“ – wie ein aufmerksamer Teilnehmer einbrachte. Köhler, der den Beitrag aufgriff, begründete dies: „Dem Mond fehlt die nötige Masse, um Gase dauerhaft zu binden.“

Bei der Frage nach der ersten bemannten Mondlandung zeigte sich das Publikum gut informiert: 1969 landeten mit Apollo 11 erstmals Menschen auf dem Mond.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Herausforderungen für den Menschen im All. Köhler berichtete von medizinischen Experimenten und betonte, wie wichtig Forschung im Bereich Gesundheit und Psychologie für zukünftige Missionen ist. Dabei ermutigte er ausdrücklich auch Mädchen, sich für Berufe in der Raumfahrt zu begeistern.

Mit Blick in die Zukunft stellte der Wissenschaftler die Artemis-Missionen vor: Bereits in wenigen Wochen soll mit Artemis II wieder eine bemannte Mission den Mond umrunden, gefolgt von Artemis III, die perspektivisch eine erneute Mondlandung vorsieht. Besonders interessant ist dabei der Südpol des Mondes, wo große Mengen an Wassereis vermutet werden. Dieses könnte in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten werden – eine mögliche Grundlage für Treibstoff und damit für weitere Missionen, etwa zum Mars. Der Mond könnte somit als Zwischenstation auf dem Weg zum roten Planeten dienen.

Doch wann wird tatsächlich der erste Mensch den Mars betreten? Nach Einschätzung Köhlers sind die technischen Voraussetzungen, aber auch im Bereich Gesundheit und Langzeitbelastung, noch nicht vollständig erfüllt. Dennoch arbeiten verschiedene Nationen intensiv an entsprechenden Programmen. Experten wie der deutsche Physiker und Astronaut Ulrich Walter, so erläuterte Köhler, halten eine bemannte Marslandung um das Jahr 2048 für realistisch – vorausgesetzt, die technologischen Entwicklungen schreiten weiter voran.

Schon heute wird der Mars von mehreren Robotern erforscht – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer späteren bemannten Mission. Voraussetzung dafür sind auch günstige Startfenster, die sich aus der Position von Erde und Mars ergeben.

Die zahlreichen Fragen und fundierten Beiträge aus dem Publikum zeigten eindrucksvoll, wie gut vorbereitet und interessiert die jungen „Studierenden“ waren – selbst bei diesem anspruchsvollen Thema.

Foto und Text: SOLE, Kinderuni-Oberschwaben